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Nach schwerer Krankheit: Der italienische Regisseur Zeffirelli ist verstorben



Der italienische Opernregisseur Franco Zeffirelli ist verstorben. Er war 96 Jahre alt. Bis vor kurzem arbeitete Zeffirelli trotz Krankheit. Bekannt wurde er auch durch Filme wie "Romeo und Julia" und "The Taming of the Shrew".

Von Jörg Seißelberg, ARD-Studio Rom

Der italienische Opernregisseur Franco Zeffirelli erkrankte kürzlich in der Öffentlichkeit schwer. Er wurde von seinem Adoptivsohn in einen Rollstuhl geschoben. Zeffirelli konnte nicht aufrecht sitzen und kaum sprechen.

Trotzdem war Zeffirelli bis vor kurzem produktiv und kreativ. Mit seiner neuen und neuesten Traviata-Produktion wird nächste Woche die Opernfestivalsaison in der Arena von Verona eröffnet. Für das nächste Jahr hatte der in Florenz geborene Maestro ein Rigoletto-Projekt an der Royal Opera House in Oman geplant.

Gefördert von Visconti

Zeffirellis Karriere begann, als er 1

946 der Theatergruppe von Luchino Visconti beitrat. Visconti, einer der Mitbegründer des neorealistischen Films in Italien, bewarb sich zunächst als Schauspieler. "Visconti sah mich vorsprechen und sagte, ich hätte einen zu starken toskanischen Akzent", sagte Zeffirelli. "Und deshalb hat er mich abgelehnt." Aber Visonti hatte die Zeichnungen gesehen, die Zeffirelli zufällig als Zeitvertreib angefertigt hatte. "Und er hat mich gebeten, als Bühnenbildassistent einige kleine Szenen zu entwerfen – er selbst konnte nicht einmal einen Bleistift in der Hand halten", sagt Zeffirelli.

Innerhalb weniger Jahre stieg der uneheliche Sohn eines Stoffhändlers vom Bühnenbildassistenten zu einem der wichtigsten Opernregisseure der Welt auf. Mitte der 1950er Jahre inszenierte Zeffirelli erstmals an der Mailänder Scala, später auch an der Metropolitan Opera in New York und an der Wiener Staatsoper.

Sein Stil war unverkennbar, seine Inszenierungen der klassischen Oper immer üppig und farbenfroh. Er selbst kultivierte das Aussehen eines Dandys mit einem Seidenschal und exklusiver Kleidung.

Opulente Bilder auch im Film

Auch als Filmregisseur erzielte Zeffirelli später Erfolge. Er übertrug seine opulenten Bilder von der Opernbühne auf die Leinwand. In den späten 1960er Jahren drehte er Shakespeares "The Taming of the Shrew" mit Elizabeth Taylor und Richard Burdon.

Zeffirelli erhielt seine größte Anerkennung als Regisseur für seine moderne, aber textlich korrekte Adaption des Romeo und Julia-Themas. Für seinen Romeo und Julia-Film erhielt Zeffirelli eine Oscar-Nominierung und einen David di Donatello, den angesehensten italienischen Film vergeben.

Sein monumentaler Fernsehfilm "Jesus von Nazareth" – sechs Stunden lang – wurde Ende der 1970er Jahre zu Zeffirelli – beide für den US-Fernsehpreis Emmy und für den Filmpreis der British Academy nominiert. Zeffirelli-Filme waren schon immer Filme mit großartigem Gefühl. Er selbst gab zu, dass er anfällig für Pathos und Emotionen war.

Enge Freundschaft mit Berlusconi

"Manchmal muss ich mich selbst weinen, wenn ich bestimmte erbärmliche Szenen meiner Filme sehe", sagte Zeffirelli in einem seiner Interviews. "In jedem meiner Filme gibt es Szenen, die mich zum Weinen bringen." Er möchte die großen Themen des Fühlens. Auch die von Tränen, die immer eine reinigende Wirkung haben. "Es reinigt dich, wenn du weinst", sagt Zeffirelli. Von den Menschen, die nicht weinen, sollte man sich fernhalten.

Zeffirelli war unter anderem mit dem Medienmogul und ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi eng befreundet. Für seine Partei Forza Italia saß er sieben Jahre im italienischen Senat.

Kritiker der Schwulenbewegung – aber auch Homosexuelle

Zeffirelli plädierte für seine Homosexualität, war aber auch scharfer Kritiker der Schwulenbewegung. Der Homosexuelle ist niemand, der mit seinem Gesäß wackelt und es wieder gut macht. Homosexualität, sagte Zeffirelli, sei Griechenland. Rom ist kreative Männlichkeit.

Während der # MeToo-Debatte beschuldigte der US-amerikanische Schauspieler Johnathon Schaeck Zeffirelli, ihn sexuell missbraucht zu haben. Zeffirellis Adoptivsohn bestritt die Vorwürfe. Der Regisseur selbst hat dies nicht öffentlich kommentiert. Zeffirelli war 96 Jahre alt.

Deutschlandfunk Kultur berichtete am 15. Juni 2019 um 17:26 Uhr über dieses Thema.


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