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Der jüngste Lieferboom geht auf die SonntagsZeitung zurück



Lust oder keine Zeit zum Kochen? Als bequeme Alternative steht nicht nur lauwarme Pizza vom Kurier auf der Speisekarte. Von Wontonsuppe über Gemüsesäfte bis hin zu Cordon Bleu reicht das Angebot bis vor die Haustür. Spezialisierte Online-Plattformen bieten eine nahezu unbegrenzte Auswahl. In der Schweiz boomt die Hauszustellung, und weltweit wird ein Umsatz von einer Milliarde Dollar erzielt. Während das Angebot für viele Restaurants ein zusätzliches Geschäft darstellt, wird die Entwicklung für den Einzelhandel zu einer Bedrohung.

Coop und Migros konkurrieren mit Lieferservices, wenn es darum geht, was auf dem Verbraucherteller steht. "Jede bestellte Mahlzeit kostet einen Teil des Einzelhandelsumsatzes", sagt Dominique Locher. Er war viele Jahre Leiter des Migros-Online-Supermarktes Le Shop und berät heute ausländische Einzelhändler wie Edeka.

Neben den klassischen Zustelldiensten müssen sich die Schweizer Top-Dogs auch mit finanzstarken internationalen Technologieunternehmen als Konkurrenten auseinandersetzen. Uber begann vor etwa einem halben Jahr in Genf mit der Lieferung von Lebensmitteln. Uber Eats will in den kommenden Wochen in die Deutschschweiz expandieren. "Unser Team bereitet sich auf den Start von Uber Eats in Zürich vor und wir hoffen, dass wir diesen Sommer beginnen können", sagte Sprecherin Luisa Elster. In Genf kooperiert die Firma mit über 200 Restaurants. Dazu gehören Ketten wie McDonald's und Subway. Gegen eine Zustellgebühr von fünf Franken bringt ein Fahrer das Big Mac-Menü mit nach Hause.

Amazon ist ebenfalls an dem Geschäft beteiligt und hat im Mai mehr als eine halbe Milliarde Dollar in den britischen Lieferservice Deliveroo investiert, der in 1

4 Ländern tätig ist. Die Aktienkurse von Mitbewerbern wie Just Eat brachen damals. Just Eat ist mit Eat.ch Marktführer in der Schweiz. Andere Anbieter sind Takeaway.com, Smood und Mosi.

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Zweistellige Hauszustellungsraten

Laut einer Branchenstudie beläuft sich der Umsatz mit Hauszustelldiensten in der Schweiz bereits auf rund eine Milliarde Franken. Es ist immer noch ein kleines Stück Kuchen. Der Umsatz in der Gastronomie belief sich 2018 auf knapp 23 Milliarden Franken. Während die Verkäufe in klassischen Restaurants und im Einzelhandel stagnieren, gewinnt die Hauszustellung an Bedeutung. "Das Geschäft wird immer wichtiger. Die Wachstumsraten sind prozentual zweistellig", erklärt David Morant vom E-Commerce-Beratungsunternehmen Carpathia.

Die Schweizer Detailhändler blicken immer passiver auf den immer stärker werdenden Wettbewerb. Während die beiden Großhändler in den letzten Jahren ihr Fast-Food-Angebot in ihren Läden stark ausgebaut haben, hat die Lieferung von Fertiggerichten nach Hause wenig zu tun. "Coop und Migros sollten sich überlegen, wie sie diesem Trend begegnen können", sagt Morant.

Coop ist in keinem der Online-Lieferservices mit seinen Restaurants vertreten. Hauszustellung machen die Basler nur unwesentlich. "Ausgewählte Coop-Restaurants beliefern Schulen, Kindergärten oder Seniorenheime mit Mahlzeiten", sagt eine Sprecherin. Das Unternehmen möchte sich auf Convenience-Formate konzentrieren.


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Die Migros verfolgt zu diesem Thema keine einheitliche Strategie. Stattdessen kocht jede Genossenschaft ihre eigene Suppe. "Das Thema Hauszustellung wird von den Genossenschaften eigenständig bearbeitet", sagt eine Sprecherin der Zentrale.

Die Migros Ostschweiz führt ein Pilotprojekt mit einem Migros-Restaurant und Chickeria-Filialen durch. Mahlzeiten können über Eat.ch bestellt werden. Die Migros Aare und Zürich arbeiten mit Zustellplattformen in ihren thailändischen Restaurants und bei Hitzberger zusammen.

Laut Dominique Locher tun die Großhändler nicht genug für sie. "Die Schweizer Einzelhändler vernachlässigen das Geschäft mit der Lieferung von Mahlzeiten nach Hause." Das Internet hat bereits Bücher, Elektronik und Kleidung für "einen Tsunami" im Einzelhandel bereitgestellt. "Das wird sogar mit Essen passieren."

Der Herd zu Hause wird immer kälter

UBS erwartet eine Revolution der Essgewohnheiten. "Ist die Küche tot?", Fragten die Analysten der großen Bank in einer groß angelegten internationalen Studie, für die über 13.000 Verbraucher befragt wurden.

Der Ofen zu Hause bleibt daher immer öfter kalt. Die Analysten der Bank gehen davon aus, dass das Geschäft mit hausgemachten Lebensmitteln bis 2030 weltweit auf 365 Milliarden US-Dollar wachsen wird – etwa das Zehnfache dessen, was es heute ist.

Die Bank sieht den Einzelhandel als «potenziellen Verlierer». Zu Hause wird immer weniger gekocht, weil dafür keine Zeit ist. Darüber hinaus verlieren laut Studie immer mehr Menschen die Kochfähigkeit. Dank ausgefeilter Logistik sind Lieferungen vor der Tür immer günstiger. Dies reduziert den Anreiz, sich einen Topf und eine Bratpfanne selbst zu schnappen, weiter. In einem UBS-Szenario könnten Einzelhändler zehn Jahre lang 12 Prozent ihres Umsatzes mit Essenslieferanten verlieren.

Bis zu 30 Prozent Provision

Diese globalen Trends gelten auch für die Schweiz. Laut einer Umfrage der Schweizerischen Eidgenossenschaft kochen rund 20 Prozent der Schweizer abends nie warm – 27 Prozent der Männer. Andererseits bestellten laut einer Umfrage von Gastrosuisse mehr als 16 Prozent der Teilnehmer mindestens einmal im vergangenen Monat hausgemachte Mahlzeiten nach Hause.

Online-Händler wie Uber Eats, die bis zu 30 Prozent der Restaurants bewerten, können sich darauf freuen. Dieses Geschäft geht an den Schweizer Einzelhändlern vorbei.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Lesen Sie alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung: App für iOS – App für Android – Web-App

Erstellt: 21.07.2019, 10:46


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