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Krebspatienten entscheiden sich manchmal dafür, die Therapie abzubrechen



Medikamente werden besser und teurer, Menschen werden älter. Es gibt aber auch kritisch kranke Patienten, die keine Therapie anbieten.

Rebekka Haefeli

  Pia Marolfs Ehemann starb vor etwa drei Monaten an Krebs. (Foto: Annick Ramp / NZZ)

Pia Marolfs Ehemann starb vor etwa drei Monaten an Krebs. (Bild: Annick Ramp / NZZ)

Pia Marolf packt. In wenigen Tagen ist die Zügel. Dann zieht sie von der Wohnung weg, in der sie viele Jahre mit ihrem Ehemann Hans gelebt hat. "Er war eine bekannte Persönlichkeit in Zürich, Höngg", sagt sie und leitet mit ihrem Ehemann ein Elektronikgeschäft bis zur Rente. Jetzt ist die Wohnung für sie allein zu groß geworden. Hans Marolf starb im August. Nur drei Wochen nach Erhalt der verheerenden Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs, bereits mit Ablegern in verschiedenen anderen Organen.

Das Unvermeidliche akzeptiert

"Er hat es sehr bewusst aufgenommen", sagt der 70-Jährige und sitzt am Esstisch. "Und er sagte sofort, dass er keine Therapien wollte. Er wollte keine Verlängerung seines Lebens, obwohl ihm angeboten worden war, Chemotherapie im Waid-Krankenhaus zu machen." Pia Marolf trug es auch. "Ich habe es akzeptiert. Er wollte es so, und er war ein erwachsener, autarker Mensch." Die Tochter Anita Marolf Steiner akzeptierte auch die Entscheidung ihres Vaters, ohne ihn zu überreden, etwas anderes zu tun. Pia Marolf steht von ihrem Stuhl auf und verschwindet im Wohnzimmer. Als sie zurückkommt, hat sie einen Kalender und ein Foto in der Hand: ihren Mann Hans und sie, Arm in Arm, in glücklichen Tagen.

Dann blättert sie durch den Kalender und tippt mit dem Finger auf einen Bleistifteintrag. «Am 18. Juli hat er das Ergebnis der Untersuchungen erhalten. Von da an ging es schnell bergab. "Pia Marolf, ihre Tochter Anita und der Hausarzt stellten den Fachdienst für Palliativpflege der Spitex Zürich Limmat ein. Dann stand Doris Kropf vor der Tür. Die Krankenschwester betreute Hans Marolf bis zu seinem letzten Tag in enger Zusammenarbeit mit der Sie kümmerte sich um die Angehörigen und sprach mit ihnen über das Ende des Lebens In der Nacht zum 8. August schlief der 72-Jährige für immer ein, seine Frau hatte es gerade getan eilte in diesem Moment zur Wohnungstür, um eine nächtliche Latexangestellte einzulassen.

Die Pflegefachfrau Doris Kropf sagt: "Hans Marolf hat mich mit seinem starken Willen beeindruckt. Er wusste, was er wollte und akzeptierte das Unvermeidliche. "Bisher hat sie selten gesehen, dass Krebspatienten am Tag der Diagnose entschieden haben, keine onkologische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Die meisten versuchten die eine oder andere." Sie halten am Leben fest, und die Onkologie hat immer etwas zu bieten. "Chirurgie oder onkologische Behandlung B. durch Chemotherapie oder Bestrahlung, kann die Krankheit heilen oder stabilisieren, wenn der Krebs rechtzeitig gefunden wird, was möglicherweise das Leben der Patienten verlängert.

Aggressiver Krebs

Herr R. hat auch eine ganze Reihe von Behandlungen erhalten angebote der krebsspezialisten, die sich um ihn kümmern er war auch mit der diagnose von pankreaskrebs konfrontiert das war im juni dieses jahres herr r., 76 jahre, will anonym bleiben, weil er sich nicht belasten will Noch mehr in seiner Situation. Er war an Pfingsten mit seiner Frau auf einer Bergwanderung, als er nicht mehr richtig atmen konnte. Andere Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmte, hatte er vorher nicht gefühlt. Ein halbes Jahr vor der Wanderung war er das letzte Mal gewesen Ein Scheck bei seinem Hausarzt Alles, einschließlich der Blutwerte, war zu diesem Zeitpunkt noch in Ordnung.

"Die Diagnose war ein Hammerschlag. Mir wurde gesagt, dass diese Art von Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr schnell wachsen könnte", sagt Herr R. in seinem Haus in einem Außenbezirk von Zürich. Im Juni hatte er bereits einen Ableger und Wasser in der Lunge; Inzwischen ist die Leber betroffen. Er sitzt auf einem beigen Sofa; daneben auf einem Stuhl seine Frau. "Natürlich habe ich sofort die Ärzte gefragt: Was kann man tun?" Sagt Mr. R. "Nichts als Chemotherapie", antworteten die Ärzte. Eine Operation ist unmöglich. Innerhalb von drei Tagen musste sich Herr R. entscheiden. Er dachte: Du kannst es ja probieren. Seine Frau war der gleichen Meinung; Kinder haben die beiden nicht.

Der 76-Jährige war bis zur Diagnose voll am Leben, er ist selbständig, arbeitet bis heute und bereiste mit seiner Frau die Welt. "Sie hatten ein paar schöne Ausflüge geplant", sagt das Paar; aber die Diagnose hätte diese Pläne zerstört. Herr R. durchlief sechs Chemotherapiezyklen, die jeweils ungefähr 14 Tage dauerten, dann gab es eine Pause. "Ich war müde und müde, hatte Haarausfall und verlor das Gefühl in seinen Fingern." Um Übelkeit vorzubeugen, nahm er Medikamente ein.

Entscheidung zur Beendigung der Behandlung

Die Therapietage empfand er als anstrengend. "Ich war im Krankenhaus und habe sechs oder acht Stunden lang zugesehen, wie die Flüssigkeit durch die Schläuche tropfte." Die Nebenwirkungen hätten nach einer halben Stunde begonnen. Hohes Fieber, Durchfall, noch mehr Müdigkeit. Er erhielt Injektionen für die Symptome. Auf den sechsten Chemozyklus folgte eine umfassende Untersuchung, "mit MRT und allem", sagt Herr R. Die Untersuchung ergab, dass der Krebs mit Chemotherapie in Schach gehalten werden konnte; Die Tumoren waren kein Spiel.

Herr R. beschloss jedoch, die Therapie vor einem Monat abzubrechen. Er fühlte sich zu schlecht, keine Lebensfreude mehr. "Ich schätze die Lebensqualität", stellt er heute fest, "nicht für die Verlängerung des Lebens." Er hatte auf einen Teil des Therapieabbruchs gehofft. Er dachte, dass er mit seiner Frau ein paar Ausflüge machen könnte. Aber seine Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. "Es ist eine große Enttäuschung. Ich habe keine Energie, bin müde, esse nicht gern und leide unter Schlaflosigkeit." In der Zwischenzeit hat er zu Hause "eine halbe Apotheke" mit Medikamenten, die es einfacher machen für ihn zu atmen.

Herr. und Frau R. haben einen großen Freund und Bekanntenkreis. Sie haben sie von Anfang an offen über die Krankheit und die Perspektiven informiert. Auch die Unterbrechung seiner Therapie verschweigt Herr R. nicht. Er habe viel Zuspruch erhalten, nur zwischen den Zeilen fühle er selten eine Spur von Unverständnis.

Herr. R. und seine Frau sagen beide, sie hätten ein gutes Leben gehabt und es zusammen genossen. Das war ein gewisser Trost. Als nächstes feiern sie ihren 50. Hochzeitstag. Für beide ist die Situation schwierig. Er sagt: "Es tut mir leid, meine Frau leiden zu sehen. Sie hat Angst vor der Zeit, in der ich nicht mehr da bin. Ich verstehe das gut, und es belastet mich sehr." Frau R. ist mutig und drückt im Gespräch nicht viel Emotion aus. "Wir wissen, dass unsere Zeit in dieser Welt begrenzt ist", bemerkt sie. "Zum Glück haben wir nie etwas verschoben."

Keine Angst vor dem Sterben

Frau. F. lebt in der Region Zürich. Sie ist Mitte 80, hat einen scharfen Verstand und weiß, was sie will. "Ich leide an Gebärmutterhalskrebs und daran werde ich sterben", stellt sie fest, ohne ein Augenlid zu schlagen. Sie wurde vor einigen Monaten diagnostiziert, nachdem sie mit starken Blutungen ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

"Die Ärzte sagten, sie könnten operieren und dann bestrahlen. Wenn ich darüber nachdenke, werde ich krank", sagte Frau F. Das Ärzteteam beriet sie über Alternativen, nutzte ihre Entscheidung, keine onkologische Behandlung anzuwenden, und überließ es dem Schicksal Natürlich, aber dann akzeptierte es. Sie wollte zuerst nach Hause und in Ruhe denken.

"In solchen Angelegenheiten bin ich ein totaler Realist", resümiert Frau F. "Ich möchte keine anderen Therapien als Schmerzmittel. Schließlich hätte ich nicht geheilt werden können." Sie hatte nie an ihrer Entscheidung gezweifelt, und niemand hatte versucht, ihre Meinung zu ändern. Ihre beiden Kinder standen hinter ihr und hätten ihre Entscheidung natürlich akzeptiert.

Auf die Frage, was die Ärzte & # 39; Prognose wäre für den Verlauf ihrer Krankheit gewesen, Frau F. schüttelte den Kopf. "Das will ich nicht wissen. Ich glaube sowieso nicht an die medizinische Prognose. Ich hoffe nur, dass das Sterben nicht ewig anhält. Ich fürchte es nicht."

Einzelentscheidungen

Andreas Weber ist jetzt – bei das Ende des Lebens von Frau F. – ihr behandelnder Arzt. Der Palliativarzt ist ein behandelnder Arzt im Krankenhaus Wetzikon. Er sitzt in einem Büro im Krankenhaus und zieht eine Spritze mit Schmerzmitteln auf. Er füllt eine Pumpe mit Welcher seiner Patienten kann sich eine ausreichende Menge an Schmerzmitteln verabreichen? Dieser Patient hat ebenfalls fortgeschrittenen Krebs und ist die meiste Zeit bettlägerig. Weber wird die Pumpe zu ihr nach Hause bringen.

Der Palliativmediziner sagt, dass Patienten wie Frau F., der bewusst onkologische Therapien ablehnt, trifft sich immer wieder: "Als Arzt sollten Sie mit Menschen über ihr Behandlungsziel sprechen. Sie müssen sie fragen: Was ist Ihnen im Leben wichtig, wie glücklich sind Sie in der aktuellen Situation? Und: wie wichtig ist es für dich, lange zu leben? Viele Patienten sagen dann, dass ein langes Leben für sie nicht mehr so ​​wichtig ist. "Dementsprechend kann man die Behandlung anpassen und das Leiden lindern, anstatt stressige Therapien mit starken Nebenwirkungen durchzuführen. Diese Entscheidungen müssen individuell und ohne Zeitdruck getroffen werden.

Andreas Weber kritisiert, dass die meisten Ärzte auch anders arbeiteten Aufgrund ihrer Ausbildung würden sie nicht allen Patienten gerecht. "Sie stellen eine Diagnose und geben automatisch Behandlungs- und Therapieempfehlungen, bevor das Ziel in einem ausführlichen Gespräch geklärt wurde." – Hilfsmittel wie einfache Statistiken, die mit den Patienten besprochen werden könnten. "Man müsste beispielsweise anhand einer Grafik zeigen, wie viele Patienten mit demselben Krebs mit oder ohne Chemotherapie eine bestimmte Zeit überlebt haben. Auch eine ehrliche Erklärung der Nebenwirkungen einer Therapie ist wichtig. "Auf dieser Grundlage konnten die Patienten Chancen und Risiken unabhängig voneinander abwägen.

Teilweises Unverständnis

Hans Marolf aus Zürich Höngg, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs litt, benötigte keine Statistik, um diese sehr persönliche Entscheidung für sich selbst zu treffen. Seine Frau Pia In den drei Monaten seit seinem Tod wurde ein paarmal gefragt, warum er Therapien abgelehnt habe. Nicht alle Fragesteller konnten ihre Erklärung sofort nachvollziehen. Für Pia Marolf war es wichtig, dass ihr Ehemann seine Entscheidung ohne Todesangst in den Tod trägt. " Es passte zu ihm, mit welcher Klarheit er vor dem Sterben stand. "Diese Gewissheit tröstet sie heute.


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